26.02.2015

Wie der 3D-Druck Produzenten für Cyberdiebstahl exponiert

Seit der Erfindung von Hammer, Amboss und, in neuerer Zeit, des Fliessbandes, baut die Güterfertigung auf eine Kombination von Fachwissen, Maschinen und Werkstoffen. Zum Glück ist es meist schwierig, diese komplexen und wertvollen Informationen zu stehlen. Aber der 3D-Druck hat das Potenzial, dies zu ändern, und Produzenten müssen sich präventiv gegen diese Gefahr wappnen. 

Im heutigen, komplexen Produktionsumfeld werden Betriebsgeheimnisse nicht einheitlich aufbewahrt. Einige Informationen sind in produktspezifischen Dokumenten oder CAD Zeichnungen gespeichert, andere in Anlagenkonfigurationen inbegriffen. Aber beim Grossteil dieses geistigen Eigentums handelt es sich um überliefertes Wissen, das in den Köpfen von erfahrenen Ingenieuren und Managern abgespeichert ist. 
Um Zugang zu den geheimen Daten eines Unternehmens zu erlangen, müssen Diebe geduldig Betriebsgeheimnisse aus einer Vielzahl von Quellen zusammentragen und versuchen, ein Imitat nach dem Trial-and-Error-Prinzip zu rekonstruieren. Aber das hat Produktpiraten nicht aufgehalten. Zu oft haben wir gesehen, dass Unternehmen in aufstrebenden Ökonomien Produkte auf den Markt bringen, die bereits entwickelten auffallend ähnlich sind. Unternehmen mit einem niedrigeren Produktionsniveau sind meist die Opfer. 

Das Zeitalter des 3D-Drucks beginnt 
Dank Spezialisierung und des nötigen Fachwissens bleibt die moderne Produktion in den USA und in Europa rentabel. Sie verlangt oft nach Spezialwerkzeugen und muss entweder aufs Genaueste kalibriert sein oder die Materialien müssen sorgfältig bei einer bestimmten Temperatur oder in einer bestimmten Abfolge kombiniert werden. Bisher bestand die Aufgabe des 3D-Drucks darin, einfache Formen für Dinge wie Ersatzteile zu schaffen. Während wir die Übernahme der 3D-Drucktechnik für spezialisierte Kleinserien beobachten, haben Unternehmen die Technologie noch nicht für die Massenfertigung im industriellen Massstab entdeckt. 
Bevor man jedoch das Potenzial des 3D-Drucks zurückweist, sollte man beachten, wie wenige Unternehmen das Internet noch im Jahr 1994 benutzt haben. Ein Jahrzehnt später ist das Internet in den Grossteil aller Unternehmensoperationen integriert. Wir glauben, dass der 3D-Druck ein ähnliches Potenzial, das Geschäftsumfeld in den nächsten 20 Jahren zu verändern, besitzt. Laut einer PwC-Studie unter US-Herstellern setzen bereits zwei von drei Unternehmen den 3D-Druck auf irgendeine Art ein. Unsere Studie schätzt, dass der globale Markt für 3D-Drucker von 2.2 Milliarden Dollar im Jahr 2012 auf 6 Milliarden Dollar 2017 anwachsen wird. Vom Druck von Teilen für Düsentriebwerke bis hin zu Stollenschuhen - die Technologie wird von manchen als revolutionär verheissen, da immer mehr Produkte entwickelt, produziert und sogar verkauft werden. 

Warum der 3D-Druck die perfekte Plattform für Cyberdiebe ist 
Um den vollen Nutzen aus der 3D-Drucktechnik zu schöpfen, muss ein 3D-Drucker genaue Befehle zur Konstruktion des Produktes erhalten, einschliesslich der eingesetzten Materialien und wann und wie diese verwendet werden. Heutzutage ist komplexes Wissen über Betriebsgeheimnisse, für dessen Entwicklung viele Jahre und Millionen Dollar vonnöten waren, normalerweise über die Organisation verteilt. Mit der Einführung des 3D-Drucks werden diese Informationen digital konzentriert und in Dateien zusammengeführt, welche wie jedes andere Dokument auch, gehackt werden können. 
Produzenten, die den 3D-Druck einführen möchten, müssen besser mit dem Schutz von Betriebsgeheimnissen umgehen. Vielen fehlt ein sorgfältig erstelltes Inventar der Betriebsgeheimnisse, die den Kern ihres Wettbewerbsvorteils ausmachen. Das ist aus zweierlei Gründen ein Problem: Erstens verlangt das Gesetz den Schutz von Betriebsgeheimnissen nur, wenn Unternehmen diese auch als solche behandeln. Es ist schwierig, nachzuweisen, dass man Betriebsgeheimnisse unter erhöhten Schutz gestellt hat, wenn man nicht weiss, wo diese sind und wie sie von den Mitarbeitern verwendet werden. Zweitens hat die Erfahrung, ungeachtet juristischer Bedenken, gezeigt, dass beinahe jedes Unternehmen in jedem Industriezweig verwundbar für Hackerangriffe ist, wenn diese gezielt von hochentwickelten Angreifern wie etwa Gesamtstaaten durchgeführt werden. 
Produzenten müssen eine gezielte Strategie für den Schutz von Betriebsgeheimnissen entwickeln. Sie müssen wissen, welche Informationsaktiva heute (und auch morgen) ihrem Business den höchsten Wettbewerbsvorteil verschaffen, und müssen dann durch die Wertschöpfungskette hindurch sorgfältig hoch entwickelte Schutzmassnahmen und gründliche Kontrollen durchsetzen.

Ob gut oder schlecht, die 3D-Drucktechnik liefert Cyberdieben die perfekte Plattform und setzt Produzenten einem Risiko aus, mit dem die meisten momentan noch nicht umzugehen wissen. Der prognostizierte Boom des 3D-Drucks ist für Produzenten ein gewichtiger Grund, sich heute ernsthaft mit dem Schutz ihrer Betriebsgeheimnisse auseinanderzusetzen. 
Quelle: www.pwc.ch 
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