01.11.2013

ERP aus der Cloud, wenn ich das gewusst hätte…

Andreas Grossenbacher

Cloud Computing als Möglichkeit, Ressourcen und Anwendungen aus der Steckdose resp. dem Internet zu beziehen, ist nicht erst seit kurzem ein, wenn nicht das zentrale Thema in der IT Welt.

Gemäss Gartner Group soll sich des weltweite Volumen des Marktes per 2013 auf gegen 120 Milliarden US $ belaufen. Ob die Zahlen am Ende des Jahres stimmen werden ist nicht eben wesentlich,  eine Tatsache ist, dass die Verlagerung sich Jahr für Jahr beschleunigt und nicht mehr aufzuhalten ist.

Bis 2015 sollen in Asien gegen 30% der IT Leistungen aus der Cloud bezogen werden, in den USA 12% und in Europa gegen 10%. Woran mag es liegen, dass sich die Cloud Lösungen zwar durchsetzen, dies aber nicht in allen Märkten und Angebotssegmenten gleich stark und gleich schnell? Und woran mag es liegen, dass speziell ERP Systeme aus der Cloud hierzulande mit signifikanten Startschwierigkeiten zu kämpfen haben?

«Geeignete» und «ungeeignete» Cloud Lösungen
Je «schwerer» und unternehmenskritischer eine Lösung beurteilt wird, umso schwieriger scheint es, den Entscheid zu Gunsten der Cloud zu fällen. Office 360, gehostete Exchange Infrastrukturen und auch alleinstehende CRM Lösungen aus der Wolke sind weitgehend akzeptiert. ERP Systeme aus der Cloud haben es immer noch schwer. Dabei ist in den meisten Fällen mehr Psychologie als begründbares Fachwissen im Spiel.

Warum soll gerade die in der Regel in Beschaffung und Betrieb aufwändigste Lösung einer Unternehmung von den Vorteilen der Cloud ausgenommen sein?

Der «Perfektions-» Faktor
Eine Eigenheit vieler heimischer Business Lösungen ist, dass sie mit theoretischen und überhöhten Ansprüchen mit einem funktionell gesteuerten Bottom – Up Ansatz evaluiert werden. Das Resultat der in der Folge zu teuren und zu lange dauernden Einführung ist in vielen Fällen immer noch ein unbefriedigendes IT Projekt anstelle eines erfolgreichen Organisationsprojektes. Die damit einhergehenden Ungenügen werden in den ersten Betriebsjahren zur Freude der Dienstleister mit teuren und zum Teil ausufernden Anpassungen kompensiert. Die Anpassung von Cloud Business Lösungen ist abhängig von der Entwicklungsplattform immer mit mehr oder weniger Einschränkungen bezüglich Individualisierung versehen. Die wird in vielen Fällen als Einschränkung zukünftiger Handlungsfreiheit angesehen.

Das Scheitern von ERP Projekten hat nicht mit der Frage «Cloud oder Nicht Cloud» zu tun. Im Gegenteil: Vorgefertigte Best Practice Prozesse wie diese z. Bsp. die Cloud Lösung SAP Business ByDesign enthält, können den Prozessansatz erzwingen und damit althergebrachte Komplexitäten eliminieren. So können Einführungszeiträume und damit interne und externe Kosten massiv reduziert werden.

Der Kostenfaktor
Cloud ist teurer – zu teuer, so das Fazit einer Berater gesteuerten Evaluation einer Business Software für einen mittelständischen Anlagenbauer. Dabei wurden wie üblich Investitionen (Cloud nur Dienstleistungen) und laufende Kosten (Cloud Miete, On Premise Software-Wartung) über 8 Jahre aufgerechnet. Dass die Cloud Lösung durch ein umfassendes Supportkonzept kaum interne Personalkosten für Betrieb und Applikationsunterstützung produzieren würde fand ebenso wenig Eingang in die Vergleichsrechnung wie die Tatsache, dass für neue Versionen keine zusätzlichen Dienstleistungs- und Softwarekosten anfallen würden.

Cloud Lösungen sind i.d.R. als Gesamtpaket preislich in höchstem Masse konkurrenzfähig. Die noch wenig beherrschte Kunst liegt allerdings darin, für die unterschiedlichen Konzepte objektiv richtige Vergleichsgrundlagen anzuwenden.

Die Sicherheit
Unsere Verfahren zur Oberflächenbearbeitung von grossen Werkstücken sind das Kapital und der Schlüsselerfolgsfaktor der Unternehmung, die geben wir nicht ausser Haus: Das der Bescheid des Patrons einer äusserst erfolgreichen Familienunternehmung mit 60 Mitarbeitern, dem ich die Cloud ERP Suite SAP Business ByDesign verkaufen will. Den Exchange hat das Unternehmen bei einem Dienstleister, der Server steht in einem «kühlen» Keller durch dessen geöffnetes Oberlicht man den nahe rauschenden Bach hören kann und beim Verlassen des Gebäudes stelle ich fest, dass das Kaba Schloss der Haupteingangstüre mehr als 50 Jahre alt sein muss. Die Wartung seiner IT obliegt einem lokalen IT Dienstleister mit 2 Mitarbeitern. Auch der Versuch über die angewandte 16 Bit Verschlüsselung, die Zertifikate des in Deutschland betriebenen Rechenzentrums und die ebenda noch strengere Datenschutzgesetzgebung Boden gut zu machen, verlief erfolglos.

In vielen Betrieben ist das meiststrapazierte Thema Sicherheit genau das Thema, das in der Cloud gelöst ist – ganz einfach weil  sich dieser Mittelständer das Mass an Sicherheit nicht leisten kann und / oder will, dass er zum Beispiel bei den SAP Cloud Lösungen mitgeliefert kriegt.

Die Zukunft
Wer kennt sie nicht, die Anforderungen nach einer mobilen Lösung:

  • Für das Management: Im Ausland den Geschäftsgang im Griff haben, Umsatz- und Auftragseingänge verfolgen.
  • Für den Verkauf: Vor Ort mit dem Kunden Neuerungen des Sortiments präsentieren, Verfügbarkeiten prüfen und direkt Aufträge erfassen, Umsatzveränderungen besprechen und Rückstände diskutieren.
  • Für die Mitarbeiter: Auftrags- und Präsenzzeiten erfassen, Monteurrapporte vervollständigen und zur Fakturierung freigeben
  • oder einfach für alle: Aus dem Home Office arbeiten.

Für all diese Ansprüche finden sich die Grundlagen im ERP System. Steht dieses in der Cloud ist nichts weiter erforderlich, als ein Internetzugang. Keine Citrix Server Farm, kein VPN, keine WAN, einfach ein Internet fähiges Endgerät, auf das ohne Softwarekosten notabene, das entsprechende APP installiert werden kann. Out of the box und immer auf dem neuesten Stand.

Cloud und Mobilität: Die einzige Kombination, die ohne Zusatzkosten jederzeit und überall Zugriff ermöglicht.  

Es gibt sie, die reifen und funktionell umfassenden ERP Systeme aus der Cloud, allen voran wohl SAP Business ByDesign. Sie werden dank der Summe der konzeptionellen Vorteile den Durchbruch schaffen. Aber irgendwie ist es wie seinerzeit mit dem Wechsel von den klassischen Brettern auf die Carver Skis: Einmal vollzogen sagte dann so mancher: Wenn ich gewusst hätte, wie schön die Dinger zu fahren sind, wär ich schon viel früher umgestiegen.


Andreas Grossenbacher - AGILITA AG, Leiter SAP Business ByDesign


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