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31.08.2015

Chancen für eine bessere Gesellschaft - Es steht eine dramatische Umwälzung bevor

Interview: Samuel Wernli mit Prof. Dr. Dr. h.c. Dirk Helbing, Computational Social Science, ETH Zurich.

Unsere Gesellschaft steht vor der grössten Umwälzung seit der industriellen Revolution, ist Dirk Helbing überzeugt. Die Hälfte unserer Arbeitsplätze werde wohl sehr bald durch Roboter und Algorithmen ersetzt. Der ETH-Professor forscht deshalb an Rezepten zum Umgang mit der wachsenden Komplexität. Er sieht dabei Chancen in neuen Wirtschaftsmodellen.


Professor Helbing, die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Die Menschheit steht mitten in einer digitalen Revolution. Was bedeutet das?
Wir beobachten im Bereich der Informationstechnologie (IT) eine atemberaubend rasante Entwicklung. Die Rechenleistung steigt exponentiell, ebenso die Datenmenge. IT wird immer intelligenter und ersetzt immer schneller klassische Aufgaben im Industrie- und Service-Sektor. Innerhalb unserer Lebenszeit werden etwa 90 Prozent unserer Alltagstätigkeiten durch Algorithmen ersetzbar. Bis zu 50 Prozent der heutigen Arbeitsplätze in Europa werden verschwinden. Gleichzeitig wird unser Leben immer komplexer, weil immer neue – auch technische – Abhängigkeiten entstehen. Ich möchte keine Angst verbreiten, aber es steht uns eine dramatische Umwälzung bevor.

Sie vergleichen diese Umwälzung mit jener der industriellen Revolution.
Während der industriellen Revolution verschoben sich Arbeitsplätze über längere Zeit von der Landwirtschaft in die Industrie. Dasselbe, wenn auch schon deutlich rascher, galt beim Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft. Der neue digitale Sektor entsteht noch viel schneller und hält vorerst noch viel weniger Arbeitsplätze bereit – das sollte uns zu Denken geben. Am Beispiel der Finanzindustrie sehen wir die Begleitmusik der Revolution schon deutlich: Bankschalter sind innert weniger Jahre obsolet geworden und an der Börse bestimmen Computerprogramme den Handel.

Wie kann die Gesellschaft diese Veränderung konstruktiv vollziehen und mit der wachsenden Komplexität umgehen?
Die Komplexität aufzuhalten oder gar zentral steuern zu wollen ist utopisch geworden und auch nicht sachdienlich. Was aber möglich bleibt ist, sie für uns zu nutzen! Wo Einzelne – ob Menschen oder Unternehmen – überfordert sind, müssen Lösungsansätze kombiniert werden. Kollektive Intelligenz ist eine Möglichkeit, die Komplexität in einen Vorteil zu verwandeln. Um klügere Entscheidungen zu treffen, müssen wir möglichst viele gute Ideen kombinieren. Dafür ist IT ideal.

Heute ist dies bei vielen Regierungen oder in der Wirtschaft oft noch andersherum: Entscheidungen werden ausschliesslich von oben herab gefällt.
Das ist eigentlich nicht mehr zeitgemäss, denn komplexe Systeme haben eine hochinteressante Eigenschaft: Sie können stabile Strukturen, Eigenschaften und Funktionalitäten selbstorganisiert und effizient entstehen lassen, wenn die Interaktionsmechanismen zwischen den Systemelementen geeignet sind. Der moderne, hochkomplexe Kapitalismus beispielsweise funktioniert erwiesenermassen besser als die Planwirtschaft. Trotzdem gab es massive Finanzkrisen. Die jüngste ist eigentlich eine Vertrauenskrise: Die Komplexität im System – beispielsweise die verwickelten Bewertungsmuster für Finanzinstrumente – führte zu einem desaströsen Vertrauensverlust. Ein Ansatz wäre nun, mittels IT unsere gesellschaftlichen Vorgänge messbar zu machen, um die zugrunde liegenden Erfolgsprinzipien verstehen und besser nutzen zu können. Das Internet der Dinge ist der Beginn dieser Entwicklung.

Die bevorstehenden Umbrüche kann die Gesellschaft also nur schadlos überstehen, wenn sie gut vorbereitet ist: mit Ideenvielfalt und hoher Umsetzungsgeschwindigkeit. Auch die kollektive Intelligenz funktioniert umso besser, je mehr Diversität vorhanden ist. Das lässt sich in einen sozialen und wirtschaftlichen Vorteil verwandeln.

Wie soll diese Umwandlung konkret geschehen?
Zum Beispiel mit digitalen Assistenten: Stellen sie sich etwa einen digitalen Tourguide für das Leben vor. Bei allem, was dem Nutzer fremd ist, kann er Unterstützung erhalten. Es existieren bereits Apps, die Sprachgrenzen überwinden. Zukünftig könnten wir mit solchen digitalen Helfern kulturelle Barrieren überwinden. So entstehen an den Bruch- und Schnittstellen der gesellschaftlichen Kulturen neue Ideen, neue Konzepte, neue Geschäftsmodelle, die wiederum zu neuen Arbeitsplätzen führen.

Was können und müssen wir in der Wirtschaft schon heute in Angriff nehmen?
Die riesigen Datenmengen lassen sich schon heute gut nutzen, zum Beispiel zur raschen Automatisierung von Analyseprozessen. Damit sind anpassungsfähige, individuelle Lösungen möglich und dies nicht nur in der Wirtschaft. Südkorea beispielsweise arbeitet an Government 3.0: Informationen im Zusammenhang mit staatlichen Produkten und Dienstleistungen werden öffentlich, zudem fördert die Regierung mit E-Government-Lösungen die demokratische Mitwirkung. Damit sollen mehr als hunderttausend Jobs und dutzende Milliarden an Wertschöpfung entstehen. Die zentralen Lösungen erweisen sich nämlich immer mehr als suboptimal und wenig produktiv. Da sehe ich auch die zukünftige Entwicklung in der Wirtschaft, mit immer mehr personalisierten Produkten.

Wer Kundenbedürfnisse mittels IT besser erheben kann, hat einen Wettbewerbsvorteil.
Genau. Hier bietet sich auch eine naheliegende Weiterentwicklung der Versicherungsbranche. Mit Big Data und den bereits angetönten digitalen Assistenten können dem Kunden Hilfestellungen geboten werden, wie er Schadensereignisse vermeiden kann. Big Data für menschliche Risikoselektions- und Überwachungsprozesse zu nutzen, ist auf Dauer wohl nicht haltbar, da dies das Solidaritätsprinzip ritzt und die soziale Ungleichheit verstärkt. Da ist es sicherlich besser, soziale Medien zu nutzen, um neue Geschäftsmodelle um das Solidaritätsprinzip herum zu bauen.

Wie steht es um die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Digital-Offensive in Europa?
Mit den demokratischen Werten, den rechtlichen Leitplanken und dem Engagement für IT-Themen bestehen in Europa im Prinzip gute Voraussetzungen. Nun muss entschlossen umgesetzt werden. Es bietet sich hier eine riesige Chance: Wenn wir es schaffen, die momentane "digitale Wüste" in Europa in einen fruchtbaren "digitalen Regenwald" mit komplexen Abhängigkeiten und "Nahrungsketten" zu verwandeln, geht es allen besser. Dann schaffen wir soziale und wirtschaftliche Wertschöpfung im Überfluss.

Wie soll denn das in der Praxis funktionieren?
Aus meiner Sicht ist die so genannte Interoperabilität der aussichtsreichste Ansatz für die technologische und wirtschaftliche Aufholjagd für Europa. Interoperabilität bedeutet, dass – wie bei der kollektiven Intelligenz – Dinge wenn immer möglich zusammenwirken können, um dadurch neue Dinge zu erschaffen. Ein Beispiel dafür sind wiederum Apps: Es existieren abertausende davon, aber nur die wenigsten können miteinander kommunizieren und Daten austauschen. Wäre dies möglich, würden unbegrenzte neue Möglichkeiten entstehen. Daran sollten wir arbeiten, denn um mit der digitalen Entwicklung Schritt zu halten, ist exponentielle Innovation nötig. Das wird nur klappen, wenn Unternehmen Produkte und Services kreieren, die im Zusammenspiel mit anderen Produkten und Services neue Möglichkeiten schaffen.


Was bedeutet dies für die nächsten Jahrzehnte?
Der entstehende digitale Sektor funktioniert wohl bald nach einem neuen Wert-System, welches das klassische Geld ergänzt. Die Bedeutung von materiellen Ressourcen wie Gold oder Öl tritt dann in den Hintergrund, stattdessen wird Information zur neuen Ressource.. Information erfährt oft eine Wertsteigerung, wenn sie geteilt wird. Kooperation und Interaktion schaffen dabei einen Mehrwert. Ein Beispiel: Bloomberg macht mit frischen Finanzdaten in den ersten 20 Minuten 90 Prozent des Umsatzes, danach sind sie kalter Kaffee. Da könnte man ansetzen und die Daten nach dem Erreichen eines Schwellenwertes zur öffentlichen Verwendung freigeben. Algorithmen, die diese Rohdaten destillieren, sind die neuen Wertschöpfer, ähnlich den Ölraffinerien der Industriegesellschaft.

Wie soll denn dieser neue Wirtschaftszweig gedeihen? Begeben wir uns hier nicht in völlig unbekanntes Terrain?
Ich sehe das hochspannend: Es steht die Vermessung der Welt 2.0 an. Indem wir mittels IT neue Messprozesse und Verfahren erfinden, verhelfen wir uns zu neuen Durchbrüchen. Beispielsweise können wir so abstrakte Dinge wie Vertrauen besser verstehen und messen. Bedingung dafür sind Echtzeitdaten und Echtzeit-Feedback, beides möglichst offen und für alle zugänglich. Das "Internet der Dinge", kombiniert mit der neuen Art von komplementärem Finanzsystem, bilden die technologisch-organisatorische Basis für die digitale Ökonomie. Dies ergibt den Katalysator für neue Jobs und eine neue, partizipative Gesellschaft. Einer Gesellschaft mit mehr Lebensqualität, in der einige unserer heutigen Probleme gelöst sein werden. Aber dies nur, wenn es uns gelingt, in den nächsten 30 Jahren die einhergehenden Herausforderungen zu bewältigen. Dafür sind heutige Rezepte wenig tauglich: Es braucht ein fundamentales Umdenken und massive Investitionen in diese öffentliche digitale Infrastruktur. IT wird das Tor zu einer neuen Welt aufstossen – stürzen wir uns in dieses Abenteuer!




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